05. Juni 2018 in Ravensburg – Gabriele Leupold spricht zu Andrej Platonow’s „Die Baugrube“ (Gespräch)


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Datum/Zeit
Date(s) - 05/06/2018
19:30 - 21:30

Veranstaltungsort
Stadtbücherei, Kornhaussaal

Kategorien


Gespräch
Dienstag, 05.06.2018, 19:30 Uhr

Kornhaussaal der Stadtbücherei Ravensburg

Marienplatz 12
88212 Ravensburg

Die Übersetzerin Gabriele Leupold spricht über Platonows »Die Baugrube«

Andrej Platonow
Die Baugrube – Roman
Aus dem Russischen von Gabriele Leupold Mit einem Nachwort von Sibylle Lewitscharoff

SWR-Bestenliste
ORF-Bestenliste

Ein Schlüsselwerk und Hauptwerk der russischen Literatur

Am Rand einer großen Stadt heben Arbeiter eine riesige Grube aus, um ein »gemeinproletarisches Haus« zu errichten. Vom Kriegsinvaliden über den Handlanger bis zum Ingenieur bildet sich unter den freiwilligen Sklaven eine Hierarchie, die den sozialen Verhältnissen in Stalins Sowjetunion ähnelt. Mit Nastja, dem Waisenkind, das sich nach seiner bourgeoisen Mutter sehnt, ist der »neue Mensch« bereits unter ihnen. Doch am Ende wird es in der Baugrube beerdigt, dem kollektiven Grab, das sich die »Paradieserbauer« (Brodsky) geschaufelt haben.

Andrej Platonows Helden setzen alle ihre Kräfte ein, die glückliche Zukunft der Menschheit durch ihrer Hände Arbeit herbeizuführen – und werden doch von der Wucht dieser Aufgabe erdrückt: Sie versinken in Schwermut, leiden an Erschöpfung und Grübelsucht oder gehen zugrunde, weil es in der neuen Ordnung der Dinge keinen Platz mehr für sie gibt. Die Sprache kann mit dem utopischen Denken nicht Schritt halten, der Boden entgleitet ihr unter den Füßen.

Wie kein zweiter Autor lässt Platonow die Atmosphäre einer Epoche spüren, die voll war von Utopien und Prophezeiungen einer künftigen Welt. Die russische Revolution, die alle Bereiche des Lebens in diesem riesigen Land erfasste, der Kampf um einen »neuen Himmel und eine neue Erde«, findet in seinem Werk einen unerhörten Ausdruck.
Auf der Grundlage der 2000 in Sankt Petersburg erschienenen, erstmals edierten gültigen Originalausgabe hat Gabriele Leupold, gerühmt für ihre Übersetzungen von Andrej Belyjs Petersburg und Warlam Schalamows Erzählungen aus Kolyma, eine neue deutsche Fassung des als unübersetzbar geltenden Buches erarbeitet.

Quelle: Suhrkamp Verlag/Insel Verlag
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Dienstag, 5.6. /19.30 Uhr / Kornhaus Ravensburg (In Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei Ravensburg und dem Kulturamt Ravensburg)
Literarisches Russland
„So gut wie unübersetzbar“
Gabriele Leupold über „Die Baugrube“

„Am dreißigsten Jahrestag seines persönlichen Lebens“, mit dieser sperrigen Formulierung fängt der Roman an und macht deutlich, dass die Sprache der Herschenden nicht zu den Bedürfnissen seines Protagonisten passt. Andrej Platonow (1899-1951), der von Haus aus Ingenieur war, suchte sich als freier Schriftsteller zu etablieren; aber die immanente Systemkritik seiner Romane wurde von der Zensur durchschaut, zu seinen Lebzeiten konnte fast nichts gedruckt werden. Obwohl Joseph Brodsky Die Baugrube für „so gut wie unübersetzbar“ hielt, ist Gabriele Leupold eine Übersetzung gelungen, die diesem „verstörenden Roman verblüffend gerecht“ (FAZ) wird.
Gabriele Leupold, geb. 1954, studierte Slawistik und Germanistik; lebt und arbeitet als freie Übersetzerin in Berlin. Für ihre Übersetzungen ist sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Paul-Celan-Preis.

Quelle: mit Büchern unterwegs