28. März 2018 in Düsseldorf – Marcel Beyer und Nico Bleutge sprechen über Literatur (Gespräch)


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Datum/Zeit
Date(s) - 28/03/2018
19:30 - 21:30

Veranstaltungsort
Onomato Künstlerverein

Kategorien


Marcel Beyer trifft Nico Bleutge
19:30 Uhr
onomato künstlerverein
Birkenstraße 97
40233 Düsseldorf
Eintritt 3 / 2 Euro, Mitglieder frei

Poetische Begegnungen
Marcel Beyer, Jahrgang 1965, ist in Kiel und Neuss aufgewachsen. Eine seiner ersten literarischen Auszeichnungen war der Förderpreis des Landes NRW, seine jüngste die größtmögliche für deutsche Literatur: der Georg Büchner Preis im Jahr 2016. Dazwischen liegt eine Biographie mit nimmermüden vielfältigen literarischen Aktivitäten von der Lyrik, über zahlreiche Romane, Hörspiele, ja Librettos, diverse Essaybände, aber auch Übersetzungen (Gertrude Stein) und herausgeberische Tätigkeiten: Friederike Mayröcker, William S. Burroughs, ja auch Georg Grosz. Die Lyrik Marcel Beyers, der Gattung, mit der seine literarische Karriere begann und die darin einen Schwerpunkt darstellt, ist von geschichtlichen und gesellschaftlichen Feldern und Stimmen ebenso durchwirkt wie von Natur und den großenteils immer noch »weißen Flächen« des Gefühls, der Empfindung, der Erinnerung. Rasant sind die Übergänge, in denen sie von großen Zusammenhängen zu äußerst präzise eingefangenen Erinnerungsdetails gleitet wie von der Schneekatze, die künstlichen Schnee in der Eishalle zu Neuss produziert, zu Eisensteins Films »Alexander Newski« – mit gigantischen Schnee- und Eisschlachten beim Dreh mitten im Sommer, zur Sprache, die sich anders als die Schneekatze auf der Stelle dreht im Anfangsgedicht seines jüngsten Gedichtbandes »Graphit« aus dem Jahr 2014.
Auch Nico Bleutge ist ein Meister des Übergangs. Geboren 1972 in München, hat er bis auf ein Opernlibretto bisher ausschließlich Lyrik veröffentlicht von seinem ersten Gedichtband »klare konturen«, 2008 bis zum jüngsten aus dem letzten Jahr: »nachts leuchten die schiffe«. In sein Anfangsgedicht gleichen Titels finden wir, fein eingeflochten, eines aus seinem vorausgegangenen Lyrikbuch »verdecktes gelände«, 2013. Doch anders als bei Marcel Beyer sind es selten geschichtliche und gesellschaftliche Themen, die er wenn überhaupt nur tangiert, sondern gleichsam naturgeschichtliche geradezu urzeitliche Panoramen wie in eben dem Anfangsgedicht, doch stets durchwebt von Jetztzeit und hoch individueller Erinnerung – »deine mutter öffnet die balkontür« – oder die immer wieder neuen Versuche, subjektive Zustände zwischen Traum und Wachen, Innen und Außen, atmosphärische Verdichtungen, Empfindungen und emotionale Aufladungen in Worte zu fassen.

Beide Poeten sind in der Literaturgeschichte bestens bewandert, beide tragen in Ton, Dimension und Anlage ihrer Lyrik die Signien des postmodernen Klassikers, der sich eben dadurch auszeichnet, in die elementarsten Ebenen überraschend sofort wieder erkennbare Alltäglichkeiten ebenso wie individuelle Bewegungen einzutragen. Das Publikum darf einen hochkarätig besetzten, spannungsreichen und spannenden Abend erwarten.

sehen, warten, schwach bevor die ersten Worte kommen, dort, zurück mit dunklen Augen.
Marcel Beyer aus „Dunkle Augen“

jetzt ist die nacht ein geräusch, in dem tiere verschwinden mit einem herzen dazwischen (…)
Nico Bleutge aus „nachts leuchten die schiffe“

Quelle: Literaturstadt Düsseldorf

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